Champix und kalter Entzug, die Gegenüberstellung

 
Hallo,
ich bin seit heute neues Mitglied in diesem Forum und möchte über meine bisherigen Erfahrungen mit Champix und die Erfahrungen meines Mannes mit seinem kalten Entzug berichten.

Beide haben wir am Montag Morgen, 27.08.2007, als Ritual gemeinsam unsere letzte Zigarette geraucht.
Danach bin ich zum Arzt und habe mir Champix verschreiben lassen und in der Apotheke direkt meine erste Tablette geschluckt.

Jetzt sind wir bei Tag 5 angekommen.
Mein Mann ist unausstehlich, zanken uns ständig und seine Gedanken kreisen nur um "nur eine Zigarette, kann doch nicht so schlimm sein...". Er ist hypernervös, kurz vorm Aufgeben und geht mir ziemlich auf den Keks traurig und weigert sich standhaft sich Hilfe in Form von Champix zu besorgen. Er sagt, dass diese Chemie nicht gut für den Körper sei, als wenn 2 Schachteln der Marke Cowboy besser wären... bäh.

Ich hingegen bin eigentlich die Ruhe selbst. Mit Entzugserscheinungen habe ich nicht wirklich zu kämpfen (und das bei mehr als 30 Zigis pro Tag), einzige Nebenwirkung bei der Einnahme leichte Übelkeit, welche ca. 1/4 Std. anhält.
Ansonsten kämpfe ich nur gegen meine eigenen Dämonen, welche ich mir in einer 20-jährigen Raucherkarrieere selbst schuff.

Mich überrascht jedoch, wir gut ich damit umgehen kann (im Gegensatz zu vorherigen Versuchen). Vielleicht liegt es auch an meiner ausgezeichneten Motivation, die ich in diesen Versuch mit reingebracht habe.
Ich wollte nicht mehr, mir war klar, dass ich süchtig bin, es hat gestunken, schmeckte nicht und hat mich bei vielen Dingen ausgegrenzt.

Bis jetzt geht es mir gut, meinem Mann überhaupt nicht...

Fortsetzung folgt...

31.08.2007 12:45


 
Hallo Helmine,

wow - das klingt so, wie bei einem Freund (hat es über kalten Entzug versucht) - er raucht zwischenzeitlich wieder und nimmt es mir "nicht mehr" übel, staun dass ich nicht mehr rauche.. - ja soweit ist das gekommen, hätte uns fast die Freundschaft gekostet. bäh wir haben aber glücklicherweise gestern morgen ausgiebig geredet und haben´s begraben lächel.

Ich drück Dir ganz fest die Daumen, Du scheinst mit einer ähnlichen Einstellung reingegangen zu sein, wie ich, deswegen ist es vermutlich so einfach. Blume

Liebe Grüße, Solveig




Liberation Day = 14.07.07

31.08.2007 16:14


 
Hallo Laucha,

vielen Dank für Deine aufmunternde Worte.
Ehrlich gesagt tut das im Augenblick richtig gut!

Vielen Dank

helmine

31.08.2007 18:58


 
Hi Helmine,

ich hab über 50 am Tag geraucht und kann es kaum glauben, daß ich fast völlig ohne Schmacht seit 48 Tagen (musste mal eben spicken gehen) nicht mehr rauche. Ich hätte mir mit Tanja locker die Hand in Sachen "hoffnungslose Fälle" geben können.

Bleib einfach entspannt Blume und ihm ein gutes "Vorbild". Auf der anderen Seite - er sollte eigentlich fast durch die übelsten Seiten des Entzugs durch sein bäh, ab nächster Woche wird er entspannter... zwinker

Liebe Grüße, Solveig

Liberation Day = 14.07.07

31.08.2007 19:06


 
Hallo helmine,

so eine Gegenüberstellung zwischen zwei Rauchern halte ich für etwas schwierig, da der Grad der Ahängigkeit sich unterscheiden kann, ebenso psychische und andere Begleitumstände und jeder auch auf unterschiedliche Hilfsmittel unterschiedlich anspringen kann - es ist z.B. auch nicht jedermanns Sache, mit Medikamenten zu entziehen. Gerade bei einem kalten Entzug halte ich es aber auch für empfehlenswert, dass man sich ausreichend motiviert, z.B. durch geeignete Bücher oder einem Austausch in Selbsthilfegruppen oder Foren. Wie Solveig denke ich aber auch, dass dein Mann nach fünf Tagen das Schlimmste schon bald hinter sich haben sollte lächel

Der Nachteil beim kalten Entzug ist, dass man physischen und psychischen Entzug gleichzeitig durchmacht. Das ist meiner Meinung nach aber gleichzeitig auch ein Vorteil: man ist schneller durch mit dem Entzug. Diejenigen, die mit Hilfsmittel entziehen, müssen dieses auch erst noch entziehen (siehe auch den Thread Nach dem Absetzen von Champix). So hat man die Wahl, ob man kurz und heftig, oder länger und dafür sanfter entziehen möchte (inklusive Nebenwirkungen des Hilfsmittels). Hat denke ich beides Vor- und Nachteile.

Wenn du derzeit mehr unter den Launen deines Mannes leidest, als er unter deinen, so hast du aber sicher etwas gut bei ihm. Ich hoffe auch für dich, dass er diese Phase bald hinter sich hat - andernfalls sollte er sich vielleicht auch noch um einen entlastenden Austausch mit anderen Nichtmehrrauchern bemühen; ich drücke euch beiden jedenfalls die Daumen für einen erfolgreichen Entzug lächel

LG Jörg

01.09.2007 08:45 | geändert: 01.09.2007 08:46


 
Hallo Jörg,

geben ich Dir absolut recht. Das ein "sanfterer" Entzug seinen Preis hat ist mir vollkommen bewust. Ich habe ihn gwählt, damit ich eine Unterstützung habe zu lernen mein Verhalten zu ändern. Ich denke, das ist das wichtigste bei der Rauchentwöhnung. Gratis gibt es das natürlich nicht, es ist keine Wunderpille.

Ich versuche Motivation für uns beide aufzubringen, aber von Tag zu Tag fällt es mir immer schwerer ihn mit zu motivieren, weil ich ständig einen Schlag mit der Bratpfanne zurück bekomme.
Er lehnt jegliche Hilfe ab, ob Bücher, Pflaster, Massagen, ect. und ich habe eher den Eindruck, dass er sich nicht wirklich Gedanken gemacht hat, was aufhören tatsächlich heißt.

Bei einem Rückfall seinerseits wüsste ich im Augenblick auch nicht, wie ich damit umgehen sollte. Auf der einen Seite könnte ich ihm nicht böse sein, denn ich weiß wie hart es ist, auf der anderen Seite würde ich den Geruch und Geschmack in meiner unmittelbaren Umgebung nicht mehr tolerieren, schon alleine um mich selbst zu schützen.
Wie bereits erzählt, mit diesem Versuch ist es mir sehr ernst.

Das würde unweigerlich zum Streitthema führen.

Ich habe aber immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es in den nächsten Tagen besser wird, wir sind ja schon bei Tag 6.
Gestern habe ich ihm die Schaufel in die Hand gedrückt und ihn zum buddeln in den Garten geschickt, da hat er sich dann etwas austoben können. Hielt nur leider nicht lange traurig

LG Sabine

Fortsetzung folgt...

01.09.2007 10:46


 
Hallo Sabine,

Er lehnt jegliche Hilfe ab, ob Bücher, Pflaster, Massagen, ect.

Aber deine Hilfe beansprucht er? Es ginge dann ja darum, dass er seinen Frust nicht alleine bei dir ablädt

und ich habe eher den Eindruck, dass er sich nicht wirklich Gedanken gemacht hat, was aufhören tatsächlich heißt.

Ist dies sein erster Entzug? Dann wäre es schon gut möglich, dass er im Gegensatz zu dir die Härten noch nicht kennt.

Nach sechs Tagen sollte in Bezug auf den körperlichen Entzug das Schlimmste eigentlich überstanden sein. Danach ist es ist dann vor allem eine Kopfsache - was natürlich auch nicht ganz ohne ist - dies hängt meines Erachtens aber auch sehr von der inneren Einstellung ab

LG Jörg

01.09.2007 12:17 | geändert: 01.09.2007 12:19


 
Hallo Jörg,

ja ich bin selbst mit meinem Suchtteufel beschäftigt und gleichzeitig sein Punshing Ball.
Und ja, es ist sein erster Versuch, auch wenn er selbst bereits auch schon 20 Jahre rauchte.

Heute hat er mir in der Stadt (hatten verkaufsoffenen Sonntag) eine Rosina Wachtmeister Tasse, da ich so auf Katzen stehe, als kleines Versönungszeichen geschenkt. Er gibt ja auch unumwunden zu, das er sehr "unleidlich" sei und ständig den Situationen nachtrauert, bei denen er früher noch geraucht hat.
Das einzige was wirklich recht gut hilft, habe ich heute erst richtig festgestellt, wenn ich anderen Leute, die wir so trafen, erzählte, dass wir beide nicht mehr rauchen. Bei dem Lob und den guten Wünschen hob sich jedes mal seine Laune merklich.

Kann man für sowas vielleicht jemanden angagieren???? lach

Meine Vorstellung war ja, dass wir uns gegenseitig unterstüzen und motivieren, nicht das ich den Job alleine bei halben Gehalt und doppelter Arbeit bekomme erröt.

Aber ich kämpfe ständig dagegen an, dass mir nicht die Luft ausgeht und er wird nie, niemals von mir zu hören bekommen:

"Du bist absolut unausstehlich, zünde Dir doch wieder ne Zigarette an, wenn Du damit nicht klar kommst!".

Lg

fotsetzung folgt...

02.09.2007 21:28


 
Hallo Helmine,

naja, wenn er schneller mit dem Entzug durch ist, könnte er dich danach zur Abwechslung ja noch bei deinem Entzug unterstützen und sich so revanchieren zwinker

Eigentlich sollte er nur noch im Kopf Abschied nehmen vom Nikotin - nach sieben Tagen hat er den körperlichen Entzug sicher hinter sich - und Champix wäre ihm von daher auch keine Hilfe mehr, nehme ich an

Ich denke, ihr könnt beide auf euch besonders stolz sein: dein Mann, dass er eine Woche kalten Entzug durchgestanden hat und du, dass du neben der Bewältigung deines eigenen Entzugs auch noch deinen Mann motivierst lächel

LG Jörg

03.09.2007 10:05 | geändert: 03.09.2007 10:06


 
Das tat jetzt wirklich gut! Danke Jörg!

03.09.2007 10:46