Reizbarkeit

 
Ein herzlicher Gruß an alle. Schön, das es solche Foren gibt.

Zu mir: Ich bin 29 Jahre und habe ca. 13 Jahre lang zwischen 15 und 20 Kippen täglich geraucht. Vor genau 73 Tagen habe ich mir die letzte Zigarette angesteckt und halte seither richtig tapfer durch.
Nach ca. 2 Wochen war das schlimmste (für mich) überstanden und es klappt (bis auf die größere Wampe) recht gut.

Nur habe ich seit ca. 40 Tagen folgendes Problem. Ich bin unausstehlich. Leicht reizbar, unzufrieden, launisch. usw. . Das fällt sogar mir auf. Aber für meine Freunde und vor allem meine Frau muß es quasi unerträglich sein. Wurde ich am Anfang noch von allen unterstützt und ermutigt, wird mir zwischenzeitlich ernsthaft nachegelegt wieder anzufangen. Selbst meine Frau hat schon des öfteren solche Kommentare/Forderungen von sich gegeben. Bin wirklich knapp davor, meinem sozialen Umfeld zuliebe, wieder anzufangen (obwohl ich eigentlich gar nicht will).

Geht es anderen ähnlich? Geht diese Phase wieder weg? Wenn ja, wann?

Viele Grüße, Tobias

17.04.2006 14:20


 
Hallo Tobias,

auch dir ein Willkommen hier - und Glückwunsch zu den 73 Tagen lächel

Den körperlichen Entzug hast du sicher schon lange hinter dir, die Geriztheit wird wohl nicht daraus resultieren. Aber vielleicht gibt es da einen psychologischen Zusammenhang. Ich hatte Zigaretten auch geraucht, um zu entspannen, um stressige Sachen mal beiseite zu schieben, um Pause zu machen oder einfach abzuschalten. Wenn das alles ohne Ersatz wegfällt, wird man sehr schnell auch unentpannt zwinker Ich musste bei mir jedenfalls schon darauf achten, dass ich auch ohne den Grund Rauchen ausreichend Pause mache - was anfangs schwierig war, wenn die schreiende Lunge einen nicht mehr daran erinnerte zwinker Wie ist das bei dir - vielleicht benötigst du auch von bestimmten Dingen mal Abstand, der jetzt zusammen mit dem Rauchen weggefallen ist? Ein Mangel an Abstand wäre nicht die Ursache einer Gereiztheit, könnte diese aber verstärken

Bin wirklich knapp davor, meinem sozialen Umfeld zuliebe, wieder anzufangen (obwohl ich eigentlich gar nicht will).

Das würde es nicht besser machen - im Gegenteil

17.04.2006 14:45 | geändert: 17.04.2006 14:48


 
Hallo Tobi
Also - ich habe auch enorme Aggressionen gespürt und mein Mann hat auch darunter gelitten. Komischerweise hat er mir auch geraten, wieder mit dem Gerauche aufzufangen - habe mir aber gedacht, dass ich ihm diesen Gefallen nicht machen werde. Bei all meinen vorherigen Versuchen bion ich schwach geworden und habe wieder damit begonnen und er lachte mich dann auch aus und meinte, dass ich es wohl nie schaffen werde!! Da hat er sich aber getäuscht.
Ich habe nun, wenn ich diese Aggressionen gespürt habe, körperliche Tätigkeiten gemacht wie Gartenarbeit etc. Eine Arbeit, wo ich auch die positiven Effekte des Nichtrauchens deutlich wahrnahm: wie die Erde lecker riecht, die Blumen, die Beeren etc. Das habe ich ich mich gezogen wie den Rauch früher.
Probiere was zu machen, was diese Aggressionen (diese enorme Kraft - die war total stark und nicht einfach zu kontrollieren!!) abbaut.
Und bitte, lass doch bald wieder wissen, wie du, was diese Begleiterscheinung betrifft, gemacht hast, um die abzubauen.
Erkläre das deiner Frau in einer ruhigen Minute, erkläre, dass das vom Nichttun kommt und sie wird verstehen.
Bis bald und viel Kraft wünscht dir
Christine

17.04.2006 19:23


 
Ich habe diese Beiträge mal in einen eigenen Thread verschoben lächel

23.04.2006 10:26


 
Herzlichen Dank und schönen Tag noch
Christine

24.04.2006 06:15


 
Ich bin nun nicht so lange Nichtraucherin, erst seit dem 16.3. aber habe schon öfter aufgehört und daher auch ein bisschen meine Erfahrungen gesammelt, auch wenn ich erst 21 bin.

Als ich das letzte Mal aufgehört habe, da ging es 4 Monate lang gut und ich hatte keine "Nebenwirkungen". Ich war nicht mehr oder weniger gereizt, ich hab nicht ab oder zugenommen, usw.
Angefangen habe ich damals nur wieder, weil die Beziehung mit meinem damaligen Freund in die Brüche ging und mich in allen Lebenslagen hängen gelassen habe. Denke sonst wäre ich nicht wieder zur Raucherin geworden.
Naja, nun ist ja bei mir der erste Monat meines "nicht-mehr-rauchens" um und ehrlich gesagt sehe ich nur Vorteile drinnen und bin deshalb kein bisschen gereizt. Ich denke, das hat auch immer was mit der Psyche zu tun, man redet es sich ein. Den ganzen Krams von wegen "ach ich bräucht nun ne Kippe gegen den Stress" usw. Das spielt sich ja nurnoch im Kopf ab. Man wacht ja auch nicht mitten in der Nacht auf, weil man Lust auf ne Kippe hat und die Sucht einen wachrüttelt.
Ich finde deshalb sollte man NIE wegen anderen Menschen aufhören, so sehr man diese Menschen auch liebt. Wenn man nicht selbst einsieht, dass es das beste ist, wenn man aufhört, dann fängt man immer wieder an. Ich hab auch immer wegen anderen aufgehört, immer gesagt, ach nur noch dieses Päckchen, dann hör ich ja auf... ich finde, dass dies alles nur eine Flucht ist.
Wenn man für sich selbst aufhört, dann schmeisst man auch ein Päckchen mit 15 Kippen weg.
Klar manchmal überleg ich auch noch wie das war, vor allem, weil man sich an das alles gewöhnt hat, aber ich bin zu jung zum Sterben. Und vor allem nicht durch so was schlimmes wie Krebs.

Liebe Grüße an euch alle und haltet durch lächel

24.04.2006 19:18


 
Hallo Kathi,

da hast du schon recht, nach der ersten Woche ist der Entzug wohl vor alle eine Kopfsache - wobei man die psychische Seite, denke ich, aber auch nicht unterschätzen sollte - das muss nicht, kann aber mitunter auch ganz schön heftig sein - je nachdem, welchem Stress man sonst so ausgesetzt ist. Aber wenn man fest entschlossen ist, die durchzustehen, kann man das auch dann packen lächel

Dass man vor allem für sich selbst das Rauchen aufgeben sollte, da stimme ich dir zu. Äußere Gründe, wie z.B. Wetten, oder ein Versprechen für jemand anderen halte ich für ein relativ schwaches Fundament, um von der Nikotinsucht wegzukommen

LG Jörg

24.04.2006 23:14


 
Hallo
Also, bei mir war der ausschlaggebende Grund, meine Tochter! Sie kam nach Hause, und war sehr traurig. Als ich sie fragte, was vorgefallen sei, sagte sie mit weinender Stimme: Mami, bitte hör auf zu rauchen, ich will nicht, daß du einmal so schlimm stirbst wegen rauchen. Ich sah heute in der Schule schreckliche Bilder, und sie hat wahnsinnnige Angst, ich würde sterben. Nun, natürlich wollte ich schon X-mal aufhören. Aber diesmal, hats mich anscheinend dermaßen gerissen. Ich denke mal, daß es bei jedem anders ist! Ich denke schon immer, daß es viele Menschen gibt, denen ihr Selbstbewusstsein eben ziehmlich klein ist, und die nicht viel von sich selbst halten. Die sich selbst nicht wichtig genug finden. Aber solche Menschen können nur für andere Berge versetzen. Es kommt wahrscheinlich immer darauf an,, was für ein Typ Mensch man ist, und deswegen gibt es auch leider kein Allheilmittel.LG Silli

25.04.2006 13:07


 
Hallo,

Bin heut den fünften Tag rauchfrei, und sehr stolz auf mich.
Die Entzugserscheinungen sind immens. Hab die ersten drei Nächte kaum schlafen können, und geschwitzt (entgiftet) wie verrrückt.
Erst heute Morgen bemerkte ich, dass ich wieder nach mir, statt nach giftigen Ausdünstungen rieche, der morgendliche Geschmack auf der Zunge war heute nicht mehr ganz so widerlich wie bisher, doch eben immer noch recht schal, und voll in der Entgiftungs-
phase.
Meine Nervosität und Reizbarkeit der ersten rauchfreien Tage legt sich allmählich, allerdings bin ich immer noch recht unkonzentriert und sprunghaft bei der Sache.
Wie auch immer kann ich allen nur das Buch "Mentales Nichtrauchertraining" von Dagmar Herzog empfehlen. Ich finde es viel besser als das von Allen Carr, dessen Argumente ich teilweise fadenscheinig und auch etwas zu typisch amerikanisch finde. Sein "Endlich Nichtraucher", hab ich jedenfalls schon öfters gelesen, ohne dass es mich wirklich überzeugt hätte, das "Mentale Nichtrauchertraining" von Herzog hat es dagegen echt in sich, wie ich finde - natürlich ist immer noch am ausschlaggebendsten wirklich aufhören zu wollen, mit diesem Buch wird einem der Ausstieg jedoch entscheidend erleichtert.

Es grüßt Euch alle ganz herzlich,
Claudia

27.04.2006 11:58


 
Hallo Claudia,

Glückwunsch für die ersten rauchfreien Tage - das schwierigste hast du denke ich schon hinter dir. Danke auch für die Buchempfehlung - ich werde da vielleicht auch mal ein Liste zusammenstellen. Mir persönlich hatte Carrs Buch ganz gut geholfen - aber da hat wohl jeder Raucher auch einen anderen Zugang - von daher ist es natürlich nicht schlecht, wenn es eine Auswahl an verschiedenen Büchern gibt lächel

LG Jörg

28.04.2006 14:06