Rückfälle im Forum

 
Hallo ihr,

wir alle kämpfen oder haben dafür gekämpft, die Niktotinsucht zu besiegen. Aber nicht jeder schafft es auf Anhieb, die meisten benötigen wohl mehrere Anläufe - ich habe meine nicht gezählt - es waren aber einige. Ich glaube aber, dass der Austausch im Forum dazu beitragen kann, die Chancen beträchtlich zu erhöhen.

Was mir aufgefallen ist, dass nach einem Rückfall häufig gefragt wird, ob man noch hier im Forum bleiben darf. Und da möchte ich an dieser Stelle auch nochmal deutlich schreiben, dass es nicht Voraussetzung ist, nicht zu rauchen, um hier im Forum schreiben zu dürfen lächel. Im Gegenteil richtet sich das Forum natürlich auch an diejenigen, die gestrauchelt sind und Kraft sammeln möchten für einen nächsten Versuch.

Mein Eindruck ist es, dass viele sich auch gar nicht mehr trauen, hier ins Forum zu kommen, wenn sie rückfällig geworden sind. Ich kann mir schon vorstellen, dass man aus Scham nicht darüber schreiben möchte, und / oder dass man andere nicht entmutigen möchte. Auf der anderen Seite finde ich es schade, wenn ein Gestrauchelter sich deswegen selbst etwas nimmt, was ihm weiterhelfen könnte. Wie auch schon von anderen geschrieben: es ist keine Schande hinzufallen. Und ich denke, es kann auch hilfreich sein, zu schauen, woran man denn gescheitert ist, um daraus zu lernen für den nächsten Anlauf?

Auf der anderen Seite nehme ich auch Verunsicherung bei andere Forenteilnehmern wahr, wenn sie von Rückfällen lesen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema auch hier weiterhelfen könnte?

Was denkt ihr über das Thema und wie geht ihr damit um?

LG Jörg

03.09.2008 14:30


 
Ich kann dir nur beipflichten Jörg. Wie sagt man auch noch:
Die Erfahrung macht klug....
Ich habe Anfang der 80iger mal für 1 1/2 Jahre nicht geraucht und einen einzigen Versuch 2000 für 6 Wochen gemacht. Also nicht soviele Erfahrungen/Rückfälle gehabt. Ich glaube aber, wenn ich es jetzt nicht geschafft hätte, ein nächstes mal hätte es so für mich nicht mehr gegeben.

Gerade der Austausch der verschiedenen Rückfälle, Methoden des Aufhörens und neue Anfänge ist doch das, was jedem helfen kann.
Von dahere finde ich es sehr wichtig, das auch die "Gestrauchelten" weiterhin hier im Forum sind und sich beteiligen.

Ich hoffe doch, dass sich keiner hier von den Rückfälligen persönlich angegriffen fühlte und deshalb nicht mehr schreibt.
Ich kann mich an einen erinnern, der (Anne und mir) den Vorwurf hier äußerte, dass die Rückfälligen zu sehr bemitleidet und verhätschelt würden. Ich bin nach wie vor nicht dieser Meinung. Ich bin nur nicht jemand, der auf einem "am Boden liegenden" auch noch drauftritt.

Ich hoffe für mich, bzw. für die anderen, dass ich mich immer recht deutlich ausdrücke.
L.G. Ute

Seit 18.09.07 ein glücklicher NMR und so soll es bleiben

03.09.2008 14:45


 
Hiho,

also mit Rückfällen kenn ich mich aus lach bäh lach

Bei mir ist es so, dass ich mich dann a) schäme und aber auch b) das Thema "Nichtrauchen" beim Wiederanfangen ganz,ganz weit weg verdränge und somit garnicht hier sein wollen würde. Ich würde mich unwohl fühlen. Wie gesagt, Scham und Verdrängung = Flucht.

Als Nichtrückfällige erröt finde ich, dass diese echt gern hier sein können und sollen, wenn sie mögen. An manche gewöhnt man sich ja und wenn sie weg sind, ist es voll schade. Und wir müssen überall neben Rauchern leben und das packen, also müsste das hier auch funktionieren.

Klee


edit: Zum Verhätscheln. Wenn einer traurig ist, soll er auch getröstet werden dürfen Herz Und wenn einer sich selbst belügt, muss man ihm auch mal auf die Füße treten können bäh

Am 23.07.2008 erblickte ein neuer, kleiner Exraucher das duftende Licht der Welt...

03.09.2008 14:57 | geändert: 03.09.2008 14:59


 
Hallo,

mich stören Rückfällige hier nicht - ich finde, es gehört eine Menge Mut dazu, sich zu outen. Und es wäre sicher nicht wirklich okay, den Eindruck zu vermitteln, hier würden es alle schaffen. Die bekannten Zahlen der im ersten Jahr scheiternden NMR sind hier im Forum wahrscheinlich etwas niedriger als in der Gesamtbevölkerung, aber auf jeden Fall auch in der Überzahl.

Man sollte sich also nichts vormachen: Die, die es dauerhaft schaffen, sind in der Minderzahl. Und jeder Erfahrungsbericht, warum jemand gescheitert ist, hilft anderen NMR weiter - und ermutigt dazu, es wieder und wieder zu versuchen. Nicht so wie ich, die nach dem letzten gescheiterten Versuch 15 Jahre gewartet hat, bevor ich es wieder gewagt habe. wütend

LG
Juliette

NMR seit 29. September 2007 - dank Champix und diesem Forum

03.09.2008 15:12


 
Hallo,

ein gutes Thema, Jörg.

Mir geht es nämlich anders herum: ich traue mich kaum noch hierher, weil es bei mir dieses Mal klappt. Und ich habe das Gefühl, die Rückfälligen, die sicher mitlesen, zu frustrieren mit meinen Erfahrungen.

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite könnte aber vielleicht sein: ein Süchtiger braucht Beistand.
Er braucht es, gepflegt zu werden.
Er braucht Gehör.
Er braucht es, auch bei Rückfällen ernst genommen zu werden.
...

Vielleicht produziert die Sucht Rückfälle, um eben dieses "bin ich noch ernst genommen" oder "werde ich noch geliebt..." auszutesten?

Vielleicht ist das Bestandteil der Sucht.

Danke jedenfalls dem Jörg sagt Artemisia



Champix am 5.6.08, NMR am 13.6.08, champixfrei am 23.6.08

03.09.2008 15:43


 
Hallo,

ich meine dieses Forum so verstanden zu haben das jede/jeder die/der den Wunsch hat mit dem Rauchen aufzuhören hier willkommen ist, also auch die, die Rückfällig geworden sind, genauso wie die, die schon lange NMR sind.
Ich glaube sogar dass die Rückfälligen die sind, die das Forum am meisten brauchen.

Gruß
Gerd


02.07.08 erste Champix Daumen hoch, NMR seit dem 11.07.2008 zwinker seit 22.08.08 Champixfrei zwinker Klee

03.09.2008 17:50


 
Hallo Jörg,
na dieses Thema passt ja für mich wie die Milch zum Kaffee. Ich denke jeden Tag, jede Minute daran einfach wieder zu rauchen.( 8. Tag rauchfrei) Mein Verstand sagt ja und mein Herz sagt nein. Oder andersherum? Keine Ahnung. Auf jedenfall überlege ich die ganze Zeit, was ich denn hier schreiben soll falls ich rückfällig werde. All die aufmunternden Worte am Anfang und bis jetzt. Ich fühle mich bei dem Gedanken schon als Looser. Aber es ist schön und unheimlich wichtig, hier zu lesen das man trotzdem noch wilkommen ist. Klasse Thema danke.

03.09.2008 19:02


 
Ich sage auch meinen Dank, Jörg. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich nach 5 Monaten auf die Nase fallen könnte und doch ist es heute passiert. Hätte ich das Forum nicht mehr, so wäre ich jetzt ganz schön mutlos. traurig
Andere, die gestrauchelt sind, haben mich nie verunsichert, ich fands nur jedesmal sooo schade. Aber ich konnte auch jedesmal etwas daraus lernen (bei Partys besonders aufzupassen, etc.).
Geschätzte Artemisia lächel... ich weiß nicht, ob jemand dafür das Forum braucht und deswegen wieder anfängt zu rauchen (habt ihr mich noch lieb). Kann mich da nicht hinein versetzen. Bei mir war es jedenfalls nicht so. Ich hatte nur ein schlechtes Gewissen und wollte auch schnell die Uhr zurück drehen und mich nicht auf falschen Lorbeeren ausruhen. Ich hab gar nicht wirklich damit gerechnet, so lieb und verständnisvoll aufgefangen zu werden. lächel Umso schöner wars dann aber.
Das ist hier ein ganz, ganz tolles Forum! Herz


NMR seit 29.03.2008 mit Kalt-Entzug

03.09.2008 20:10


 
Ich kann mich an einen erinnern, der (Anne und mir) den Vorwurf hier äußerte, dass die Rückfälligen zu sehr bemitleidet und verhätschelt würden. Ich bin nach wie vor nicht dieser Meinung. Ich bin nur nicht jemand, der auf einem "am Boden liegenden" auch noch drauftritt.

Mein Eindruck ist aber schon, dass ihr da schon differenziert antwortet - also wenn jemand sich selbst etwas in die Tasche lügt, dies dann auch kritisiert. Von daher würde ich nicht pauschal von Verhätscheln sprechen

Bei mir ist es so, dass ich mich dann a) schäme und aber auch b) das Thema "Nichtrauchen" beim Wiederanfangen ganz,ganz weit weg verdränge und somit garnicht hier sein wollen würde. Ich würde mich unwohl fühlen. Wie gesagt, Scham und Verdrängung = Flucht.

Ja, richtig, das Verdrägen kann natürlich auch ein Motiv sein.

Man sollte sich also nichts vormachen: Die, die es dauerhaft schaffen, sind in der Minderzahl. Und jeder Erfahrungsbericht, warum jemand gescheitert ist, hilft anderen NMR weiter - und ermutigt dazu, es wieder und wieder zu versuchen.

Ja, und es kann vielleiht auch dazu beitragen, dass man den Entzug nicth zu sehr auf die leichte Schulter nimmt, wenn man nur von wenigen negativen Erfahrungen liest?

Mir geht es nämlich anders herum: ich traue mich kaum noch hierher, weil es bei mir dieses Mal klappt. Und ich habe das Gefühl, die Rückfälligen, die sicher mitlesen, zu frustrieren mit meinen Erfahrungen.

Auf der anderen Seite könnten deine Berichte vielleicht auch den ein oder anderen ermutigen, daurch dass er erfährt, dass ein Entzug nicht zwangsläufig schwierig sein muss?

Die andere Seite könnte aber vielleicht sein: ein Süchtiger braucht Beistand.
Er braucht es, gepflegt zu werden.
Er braucht Gehör.
Er braucht es, auch bei Rückfällen ernst genommen zu werden.
...

Vielleicht produziert die Sucht Rückfälle, um eben dieses "bin ich noch ernst genommen" oder "werde ich noch geliebt..." auszutesten?

Vielleicht ist das Bestandteil der Sucht.

Das hängt wohl aber auch von der Persönlchkeit des Rauchers ab? Ich schätz mich z.B. eher so ein, dass ich mich zurückziehe, wenn es mir schlecht geht. Obwohl ein Rückzug könnte unbewusst natürlich auch ein Signal sein hmmm

Ich glaube sogar dass die Rückfälligen die sind, die das Forum am meisten brauchen.

Ja das sehe ich auch so

Auf jedenfall überlege ich die ganze Zeit, was ich denn hier schreiben soll falls ich rückfällig werde. All die aufmunternden Worte am Anfang und bis jetzt. Ich fühle mich bei dem Gedanken schon als Looser.

Weil du das Gefühl hast, du bist es den anderen, die dich unterstützt haben, "schuldig" durchzuhalten? Ich kenne das nämlich auch ein wenig von mir, dass ich so etwas auch eher lieber still und leise als Einzelkämpfer durchziehe, um bei einem Scheitern andere nict auch noch zu enttäuschen

Andere, die gestrauchelt sind, haben mich nie verunsichert, ich fands nur jedesmal sooo schade. Aber ich konnte auch jedesmal etwas daraus lernen (bei Partys besonders aufzupassen, etc.).

Ja, man kann auch aus den negativen Erfahrungen anderer lernen

LG Jörg

03.09.2008 20:20


 
Auch ich habe die vielen Anläufe mit den unterschiedlichsten Methoden nicht gezählt. Nach einer Akupunktur-Behandlung im Alter von Mitte 20, die ich zusammen mit meinem Ex-Mann machte, war ich einmal drei Wochen clean. Beim Kegeln fingen wir damals beide wieder an zu rauchen… Eine spätere Akupunktursitzung brachte mir lediglich einige rauchfreie Tage.
Ein Rauchentwöhnungskurs von der Krankenkasse brachte mir 10 „erkämpfte“ Wochen ein, die ich am Abschlussabend über Bord warf, nachdem der Psychologe, der diesen Kurs leitete, sich am Abschiedsabend nach einem Essen genüsslich eine anmachte und sagte: „Ich will ja nicht aufhören!“ Ich kam mit dermaßen verarscht vor, dass ich spontan zum Zigarettenautomaten ging, mich neben ihn setzte und sagte: „Ich auch nicht!“ Diesen Kurs hatte ich damals „auf Wunsch“ meines Partners besucht.
1999 habe ich sechs Wochen und zwei Tage nach einem Krankenhausaufenthalt nicht geraucht.
Und dieses Mal könnte ich es sogar geschafft haben. Ich hoffe es sehr; denn ich weiß nicht, ob ich diesen Weg noch einmal durchstehen würde….

Dieses Forum war für mich sehr wichtig. Ich habe ehrliche und aufmunternde Antworten bekommen. Ehrlichkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, keinen Rückfall zu bauen. Der Teufel kennt nur ja und nein.

Aber ein Rückfall ist niemals ein Grund, sich zu schämen; denn auch er gehört leider dazu…und keiner weiß, ob er selbst einmal rückfällig werden wird.

In diesem Thread wurde auch bereits über das Thema Rückfall diskutiert.

Liebe Grüße
lächel Anne


NMR seit 4.7.07 Daumen hoch Seit dem KEINE mehr! zwinker Auch nicht diese bäh EINE!

04.09.2008 07:54