Suchtverlagerung...

...alles in Maßen!

 
Hallo @ all!

Bereits vor meinem Urlaub habe ich mir – nicht zuletzt aufgrund dieses Threads: Umgang mit Medikamenten - Gedanken über die Gefahr der Suchtverlagerung gemacht.

Es gibt verschiedene Suchtmittel und es gibt verschiedene Suchttypen. Während vom Nikotin jeder mehr oder weniger stark abhängig wird, ist dies z.B. beim Alkohol oder dem ein oder anderen stimmungsverändernden Stoff nicht der Fall! Es ist aber auch längst nicht jedem bewusst, ob er z.B. alkoholkrank bzw. medikamentenabhängig ist oder nicht.

...Tropfen haben oft Alkohol zum Haltbarmachen. Hustenmittel haben, auch bei den freiverkäuflichen Mittel, den "gefährlichen" Wirkstoff Codein als Zusatz.
Natürlich ist dies alles über einen kurzen Zeitraum eingenommen, für einen gesunden Menschen kein Problem. Aber wir hier im Forum sind uns klar darüber, dass wir Nikotin-Süchtige sind. Das könnte auch bedeuten, dass man für andere Sachen suchtgefährdet ist.


Ja, und bei Alkohol und Codein, das für einen Alkoholabhängigen mit dem Suchtmittel Alkohol gleichzusetzen ist, besteht dann auch die Gefahr der Suchtverlagerung; denn auch durch Codein werden im Bereich Alkoholismus viele Rückfälle gebaut.

Vor fast 18 Jahren kam ich aufgrund von Alkoholmissbrauch in den Genuss einer Therapie. Dort lernte ich, dass ich von einem Suchtmittel, das eine stimmungsverändernde Wirkung hat, abhängig geworden bin und dass viele Wirkstoffe in Tabletten für mich mit der Flasche gleichzusetzen sind: Pille = Pulle!!!

So harmlos klingende "Heilkräuter“ wie Baldrian, Johanniskraut oder auch Hopfen, ja – auch Hopfen zählt zu den Drogen ! - können für einen Süchtigen, also von einem Suchtmittel abhängigen Menschen, eine Suchtverlagerung bedeuten.

Ich sollte/wollte damals nach einer Entgiftung keinen Alkohol mehr trinken und bekam vom Hausarzt ein “rein pflanzliches“ Mittel zur Beruhigung verschrieben, das aber – wie so viele dieser (nicht nur für süchtige Menschen!) gefährlichen Medikamente - nicht verschreibungspflichtig war. Anfangs nahm ich vorschriftsmäßig morgens und abends eine Pille. Da die mir jedoch “nichts brachte“, schluckte ich sie bereits Tage später wie Smarties, kaufte zig Packungen und wurde über diese Kräuter wieder rückfällig, d.h., ich griff wieder zum Alkohol. Mein Arzt sagte damals, dass dieses rein pflanzliche Mittel nicht abhängig macht. Dass ich aber bereits von einem stimmungsverändernden Stoff abhängig bin (ja, bin! – Sucht ist nicht heilbar!!!), war ihm nicht bewusst ….
Das wissen aber Suchtexperten, Psychotherapeuten.
Wenn schon in Supermärkten, Drogerien und Apotheken viele abhängig machende Medikamente wie Schlaftabletten, Beruhigungspillen, Abführ- und Schmerzmittel u.v.m. frei erhältlich sind, so sollte in einem Selbsthilfeforum, in dem man von einem Suchtmittel loskommen möchte, keine anderen Drogen "empfohlen" werden!

Diese Suchtverlagerungen gibt es leider aber auch in sehr vielen anderen Bereichen. Neben Alk, Drogen, zu denen auch Nikotin gehört, und Medikamenten kann sich die Abhängigkeit auch auf andere Objekte verlagern.

Gefährlich sind z.B.
Essstörungen,
Süßigkeitensucht,
Arbeit (Workoholic),
Sport,
Spiel,
Einkaufen (Kaufsucht)
Handarbeiten u. u. u.

Für einen Süchtigen ist es eben besonders wichtig, alles in Maßen zu tun.

Hat schon jemand entsprechende Erfahrungen gemacht???????

Liebe Grüße
lächel Anne


NMR seit 4.7.07 Daumen hoch Seit dem KEINE mehr! zwinker Auch nicht diese bäh EINE!

16.12.2008 12:15 | geändert: 16.12.2008 12:29


 
Ich werde bald meine Erfahrung mit der Tablettensucht machen.

Erst brauche ich Tabletten um vom Nikotin wegzukommen und dann muß ich von den Tabletten (Champix) wegkommen.
bäh

16.12.2008 13:19


 
Hallo Anne,

bevor ich mit dem rauchen begann, war ich teesüchtig, ich brauchte das teein, bekam ich es nicht, wurde ich unruhig, nevös und unausstehlich, als mir das bewusst wurde kämpfte ich gegen diese Sucht an und ich glaube das war der Eintsieg zum rauchen, ich habe einfach die Sucht ausgetauscht, ich brauchte etwas zum ständigen Gebrauch.

Dann kam irgendwann mal ein Punkt, wo ich ständig Kopfschmerztabletten brauchte, da nahm ich schon eine, wenn ich nur dachte ich könnte bald Kopfschmerzen bekommen, ich habe immer wieder festgestellt, dass ich schnell suchtgefährdet bin.

Als ich mit Champix begann hatte ich Angst eine neue Sucht einzugehen, die Sucht nach Champix, vermutlich war das auch der Grund, warum ich die so schnell wegliess, denn ich wollte nicht wieder eine Sucht mit der anderen tauschen.

Zur Zeit trinke ich viel Kaffee, bin aber schon auf coffeinfrei umgestiegen, ist das auch wieder eine Suchtverlagerung?

Vielleicht ist es wirklich so, dass wir abhängigkeiten tauschen. ich versuche zur Zeit alles in Maßen zu machen und nicht mehr in Massen, denn irgendwie bin ich es leid immer wieder von irgend etwas abhängig zu sein.

Ich wünsche uns für alle hier ein suchtfreies 2009

LG

Doris



NMR seit 25.09.08 und stolz darauf lächel

16.12.2008 19:00


 
Hallo Anne,

ich denke auch, vielen Menschen ist es überhaupt nicht bewusst, dass sie süchtig sind oder wenn sie eine Sucht gegen die Andere austauschen…
mehrfach süchtig sind….
Werden solche Menschen auf ihr Problem angesprochen, hört man fasst immer:

Ich, ich bin doch nicht süchtig….
Wie kommst du denn da drauf…
Wegen den paar Pillen/Bier am Tag…
Ich kann jederzeit wieder aufhören wenn ich das will…
Sie wollen es nicht wahr haben…
Bis sie einfach nicht mehr können…

Erst ist es vielleicht die Gemütlichkeit, die Gedankenlosigkeit, die Sorglosigkeit, die Gleichgültigkeit, die Trostlosigkeit - und plötzlich gibt es keinen anderen Weg -als der Griff zur Flasche, zu Tabletten, zur Kippe oder anderen diversen Suchtmitteln!!!
Von den ganz harten Drogen rede ich erst gar nicht.
Was muss dem alles vorausgegangen sein???
Für einen Süchtigen sind das alles Stimmungsaufheller, die sein Leben lebenswerter machen, so wie wir glaubten, das Nikotin für uns der ultimative Kick war.


Ich stell mir das so vor:

Durch den Entzug bekommen wir z.B. Kopfschmerzen unser Schädel platzt -schnell werden ein-zwei Tabletten eingeworfen. Wir wollen ja nicht rauchen-aber diesen Kopfschmerz wollen wir auch nicht!
Uns geht es wieder super und wir wollen nicht dass wir gleich wieder Kopfschmerzen bekommen und rein prophylaktisch schmeißen wir gleich noch mal ein paar Pillen hinterher.
Und wer da nicht aufpasst, kann schnell in die nächste Sucht rutschen!!!


Auf jeden Fall ist es kein leichter Weg, aus der Sucht heraus zu kommen und clien zu bleiben.

Ich selbst habe keine Erfahrungswerte außer dem Nikotin, werde aber regelmäßig im Bekannten –bzw. Familienkreis mit diesem Thema konfrontiert.

Ich wünsche jedem den es betrifft halbwegs unbeschadet aus dieser Sucht zu entkommen.

Liebe Grüße
Biggy





Champix seit 16.01.2008 - NMR seit 26.01.2008 - champixfrei seit 04.02.2008

16.12.2008 21:58


 
…Ich stell mir das so vor:

Durch den Entzug bekommen wir z.B. Kopfschmerzen unser Schädel platzt -schnell werden ein-zwei Tabletten eingeworfen. Wir wollen ja nicht rauchen-aber diesen Kopfschmerz wollen wir auch nicht!
Uns geht es wieder super und wir wollen nicht dass wir gleich wieder Kopfschmerzen bekommen und rein prophylaktisch schmeißen wir gleich noch mal ein paar Pillen hinterher.
Und wer da nicht aufpasst, kann schnell in die nächste Sucht rutschen!!!

Ja, er rutscht in die nächste Sucht, - er ersetzt bzw. verlagert durch andere Substanzen oder Tätigkeiten die Ursprungssucht.

Hier ist ein weiterer Link zum Thema Suchtverlagerung


NMR seit 4.7.07 Daumen hoch Seit dem KEINE mehr! zwinker Auch nicht diese bäh EINE!

03.01.2009 11:49


 
Hallo an alle,
obwohl dieser Artikel (Suchtverlagerung) schon etwas älter ist, muss ich mich nun darauf beziehen und kann den Wahrheitsgehalt nur bestätigen.
Ich stehe momentan total unter Schock, das ich auch Sucht verlagert habe.
Ich bin seit kurzer Mitglied in diesem Forum und habe ab seit dem 05.11.08 meinen Tablettenmissbrauch und meinen Nikotinkonsum mit Unterstützung dieses Forums total eingestellt .

Vor einigen Tagen jedoch musste ich jedoch mit Schrecken feststellen, dass ich mich nun auch des öfteren mit diesem "Gläschen" Wein für die andere Leistung belohnt habe.
Ich habe sofort den Alkohol weggelassen und trotz der sehr kurzen Zeit gab es schon wieder Entzugserscheinungen.


Meine Güte wann ist das mal alles vorbei.


NMR seit 05.11.08

03.01.2009 12:15


 
Hallo zusammen,

ich schließe mich euren Meinungen ausnahmslos an! Daumen hoch

Allerdings sehe ich das für mich selbst etwas entspannter. Ich trinke zum Beispiel gerne mal ein Bierchen - aber nur am Wochenende. Trotzdem ist es regelmäßig und lt. Definition ist ein Alki durch die Regelmäßigkeit definiert. Insofern bin ich - lt. Definition - Alkoholiker. Somit nach dieser Definition sicherlich aber auch mehr 50% der Bundesbürger! lach lach lach

Wie ihr schon geschrieben habt, ist es wahrscheinlich immer eine Sache der Selbstkontrolle bzw. des vernünftigen Einhaltens von Maßen. zwinker

Nach meiner Meinung muss eine Sucht nicht unbedingt schlecht sein, so lange sie gesund für den Körper ist. Z.B. wenn man den Rauchentzug durch mehr Sport, Handarbeiten, ein (!) Gläschen Wein oder Bier, wenig (!) Süßes etc. überwinden kann, dann ist das sicherlich nicht verkehrt und man tut seinem Körper etwas Gutes, insbesondere durch Sport - so lange es in Maßen erfolgt wird. Daumen hoch zwinker Ich habe z.B. schon öfters mitbekommen, dass ein Gläschen Rotwein pro Tag sogar förderlich für die Gesundheit ist. Daumen hoch

Gefährlich wird es nach meiner Meinung dann, wenn es zu einer Persönlichkeitsverschiebung kommt und zur sozialen Ausgrenzung, bzw. zu gesellschaftlichem Desinteresse - also die Sucht das komplette Leben für sich beansprucht. Nicht nur bei Alkohol, sondern auch wenn der Sportler nur noch Sport macht und die Hausfrau nur noch im Kämmerchen sitzt und strickt. staun

Ich werde auf jeden Fall nach wie vor am Wochenende mein Bierchen trinken (wenn ich Lust dazu habe) und denke nicht, dass ich meinem Körper oder Psyche dadurch schade. Und wenn ich lt. Definition ein Alkoholiker bin, nur weil ich Samstag Abend ein Bierchen trinke, dann ist mir das auch egal... lach lach lach

Es grüsst euch
Das Wombat Sonne







lach Abweichungen von den neuen Germanistik-Regeln sind gewollt und als "stiller Protest" zu interpretieren! lach

03.01.2009 12:35


Forum geschlossen, keine Antwort mehr möglich.